Ludwigsburg – Die abstiegsbedrohten TSF Ditzingen III können die Ca-Mü-Max-Männer mit einem 36:21 (19:8) vom zweiten Tabellenplatz werfen.
Wenn Tabellenletzte gegen Aufstiegskandidaten gewinnen, vermutet man oft, dass das vermeintlich schwächere Team über großen Kampfgeist, taktisch ausgeklügelten Konzepten und wahnsinnig guter mentaler Arbeit diese unvorhergesehene Überraschung erreichte und neutrale Zuschauer selbstverständlich für den Underdog freuen.
Sowohl an der Spitze als auch am Tabellenkeller liefern sich drei Mannschaften vier Spieltage vor dem Ende einen großen Showdown. Während der VfL Waiblingen III auf dem ersten Tabellenplatz ist, kämpfen die punktgleiche HSG Ca-Mü-Max und der ein Punkt schwächere TSV Schmiden III noch um den Aufstieg. Im Tabellenkeller konnte sich der HSV Stammheim/Zuffenhausen aus eigener Kraft, u. A. mit Punktgewinnen gegen Schmiden und MTV auf den vorletzten Tabellenplatz mit dem punktgleichen SV Leonberg/Eltingen II stellen. Nur der TSF Ditzingen III sah mit vier Punkte Rückstand zum HSV und nur noch drei Spiele gegen alle Top 3-Mannschaften wie der sichere erste Absteiger aus.
Schon direkt nach dem Anpfiff konnte man gut sehen, was für ein Spiel es heute wird. Statt Bezirksligahandball begannen die Hausherren mit einem ultraeffizientem Tempogegenstoßhandball. Jeder Fehlwurf wurde direkt mit einem Tempogegenstoßtor über pfeilschnelle Außen bestraft. Von der Genauigkeit, der Pass- und Wurfpräzision spielte der TSF sich in einen Rausch, der weit über jeder gegnerischen Leistung in dieser Saison lag. Natürlich haderte die HSG mit ihrer eigenen Leistung, da sowohl ein anderes Spiel erwartet wurde als auch psychologisch eigene Fehler viel schwerer bewertet wurden. Die Abgezocktheit der vielen jungen TSF-Spieler war klar zu erkennen. Das starke Stellungsspiel in der Defensive ließ das Angriffsspiel der Gäste Rückraum lastig wirken, Pässe an den Kreis zu Alexander Zernack wurden sehr häufig verteidigt. Kontinuierlich zeigten sich die TSF nach erster und zweiter Welle erfolgreich und konnten eine Führung von elf Toren zur Halbzeit aufbauen. Ein kurioser Moment war, als der wirklich tadellos spielende, jahrgangsältere TSF-Torwart nach einem Random-Rückraumfoul von Luca Lang bis zur Mittellinie vorsprintente und als einziger Mensch in der Halle lautstark die rote Karte beim Schiedsrichter forderte. Auch wenn die Aktion belächelnd abgetan wurde, führt das Verlassen des Torraums zum Reklamieren laut der IHF-Regel 8 selbst zu einer direkten Disqualifikation. Als einzig aufgestellter Torwart ein durchaus riskantes Unterfangen.
In der zweiten Hälfte stellten die Gastgeber natürlich nicht das Handballspielen ein und hatten im Laufe der Partie mehrere 3:0-Läufe, die oftmals durch die erste und zweite Welle passierten. Auch der zur Halbzeit eingewechselte HSG-Torhüter Henri Gerstadt hatte am Anfang zwei gute Paraden, dessen Abpraller jedoch wieder sehr souverän verwandelt wurde. Der eigentliche Unterlegene in diesem Spiel war klar die HSG Ca-Mü-Max, die nur manchmal ihre Klasse im Angriff aufblitzen ließ, an diesem Tag war es unangefochten ein Klassenunterschied. Auch im Positionsspiel zeigte der TSF brillante Anspiele an den Kreis und machte in der gesamten zweiten Halbzeit bemerkenswert nahezu keine technischen Fehler. Es wäre möglich gewesen, das Spiel besser aus Cannstatter Sicht zu gestalten, wenn sie ihre bestmögliche Athletik im Rückzug umgesetzt hätten und auch in der Abwehr denselben Verteidigungsstil wie der Gegner an den Tag zu legen, der höchstselten Zeitstrafen verursachte. Gegen einige Spieler konnte die HSG Ca-Mü-Max an diesem Tag schlicht nicht mithalten, sodass die HSG-Männer am Ende ein 36:21 als Schlussresultat an diesem Samstagabend in Ditzingen auf der Anzeigetafel sahen und damit das erste Spiel nach sieben Siegen in Folge verloren. Natürlich ist von der Handlungsfähigkeit richtig, dass sich die HSG nur auf die eigenen Möglichkeiten konzentriert und an ihrer Resilienz innerhalb solcher Spiele arbeitet, um in zukünftigen Partien besser abzuschneiden.
Für die HSG spielten: Henri Gerstadt und Tim Abele im Tor, Aron Dauer (1), Dustin Louis (1), Aaron Rottenanger (1), Maximilian Zimmermann (1), Florian Wondratschek, Thomas Zwinz (4), Fabian Ströhle (3/3), Miguel Rodrigo (2), Michael Bosch (2), Luca Lang (2), Louis Ohligschläger (2), Alexander Zernack (2)

